«Ist’s nicht Don Quijoterie? Wie töricht, sich einzubilden, ein Häuflein Schauspieler, umher ziehend in den sich duckenden Städtchen des Maulwurfhügelchens Schweiz, vermöge etwas gegen die Flammen des Weltenbrandes.»

 

Peter Lotar, von jüdischer Abstammung und im Prager Widerstand aktiv, kann 1939 im letzten Moment vor den Nazis flüchten. Mehrere Familienmitglieder sind bereits tot oder in Konzentrationslagern interniert, als dem 29Jährigen die Flucht in die Schweiz gelingt. Das Theater Basel hatte dem Schauspieler eine Anstellung versprochen, lässt ihn aber aus Angst vor der Fremdenpolizei wieder fallen. Lotar findet Unterschlupf am Theater Biel Solothurn und wird dort als Schauspieler und Regisseur bald sehr erfolgreich.

 

Detailreich und mit spitzer Feder beschreibt der Autor in seinem autobiographischen Roman «Das Land, das ich dir zeige» die Städte Biel und Solothurn, sowie die vom Ensemble bespielten Theater im umliegenden Schweizer Mittelland. Zum intimen Einblick in das älteste Stadttheater der Schweiz kommt die politischsoziale Auseinandersetzung mit der damaligen Zeit: Die Kriegsjahre sind für den Exilanten geprägt von der braunen Ideologie, die auch in der Schweiz Freunde hat. Immer wieder droht ihm die Ausweisung und somit der sichere Tod.

 

«Das Land, das ich dir zeige» beschreibt ein brisantes Stück schweizer Geschichte – durch den Lokalbezug ständig gegenwärtig –, eindrücklich und berührend. Die Inszenierung soll als theatrale und filmische Reise an eine Zeit erinnern, die von vielen Menschen, besonders auch von Theatermachern, Mut und Durchhaltevermögen verlangte.

 

Peter Lotar, Jahrgang 1910 und zweisprachig aufgewachsen in Prag, war politischer Journalist, vielseitig begabter Theaterschaffender und Autor. Als Lektor wirkte er als leidenschaftlicher Förderer der Schweizer Dramatik. Er hat massgeblich zur Entdeckung von Fritz Hochwälder, Friedrich Dürrenmatt und Max Frisch beigetragen.

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