«Gewalt! Wer kann der Gewalt nicht trotzen? Was Gewalt heisst, ist nichts: Verführung ist die wahre Gewalt.»

 

Prinz Hettore Gonzaga ist gelangweilt. Von seinem Leben, seiner Macht, und letztlich von sich selbst. Der Mann hat eigentlich nur noch Eines im Sinn: Emilia Galotti, die junge, schöne, bürgerliche Unbekannte. Sie will er haben, auch wenn sie inzwischen mit dem Grafen Appiani verlobt ist.

 

Ruchlos hintertreibt der Prinz die geplante Hochzeit mit Hilfe seines Sekretärs Marinelli. Emilia ist am Boden zerstört, als sie die tödliche Intrige durchschaut. Sie bittet ihren Vater, «die Rose zu brechen, ehe der Sturm sie entblättert», und sie zu töten.

 

Die 1772 uraufgeführte «Tragödie der Leidenschaften» wirft zeitlose Fragen auf: Sind soziale Unterschiede wirklich überwunden? Was beeinflusst unsere Lebensentscheidungen? Was wagen wir, um glücklich zu sein? Wie weit gehen wir für die vermeintliche Erfüllung unserer Sehnsüchte?

 

Mit dem Drama «Emilia Galotti» schuf Lessing das erste bürgerliche Trauerspiel. Da es scharfe Kritik an der Willkürherrschaft des Adels übte, gilt es zugleich als eines der ersten politischen Dramen der deutschsprachigen Literatur.

 

Gotthold Ephraim Lessing, geboren 1729 in Sachsen, war ein vielseitig interessierter Dichter, Denker und Kritiker. 1767 wurde er Dramaturg am Hamburger Nationaltheater, später herzoglicher Bibliothekar in Wolfenbüttel. Als führender Vertreter der deutschen Aufklärung gilt er als Vordenker für das neue Selbstbewusstsein des Bürgertums.

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